von der Idee zur Umsetzung

Der hier vorgeschlagene Weg zum Meerwasseraquarium ist nicht der einzige, aber der meiner Meinung nach sicherste! Von diesem Weg bin ich überzeugt, da ich ihn schon bei der Einrichtung von etlichen Kundenbecken gegangen bin.

Das Becken

Hier gilt, je größer desto besser und pflegeleichter!

Das Aquariumbecken kann nicht groß genug sein. 80% aller Neueinsteiger vergrößern innerhalb von 2Jahren ihre Becken weil sie merken das kein Platz mehr für neue Tiere im Becken ist. Auf jeden Fall gilt die Regel: je größer das Aquarium desto höher die Stabilität der Wasserwerte und der Biologie des Systems. Die Größe ist normalerweise nur vom Platz, der Stabilität des Aufstellplatzes (Statik) und vom Geldbeutel abhängig. Ein 200 Liter-Becken kann leicht 350 kg wiegen. Erkundigen Sie sich (beim Vermieter, Hausbesitzer, Statiker), ob der Boden die Belastung aushält. Das geplante Gestell bzw. Unterschrank muss ebenfalls für das Gewicht ausgelegt sein. Hier hat sich z.B. das Alustecksystem als sehr gut erwiesen, kein rosten vom Material kein aufquellen vom Holz. Leider gibt es im Meerwasserbereich sehr viele Scharlatane die Ihnen ohne Skrupel alles verkaufen was Sie wollen aber nicht unbedingt brauchen- wir als Hersteller von Komplettanlagen haben die nötige Erfahrung um sie zu beraten damit Ihr neues Hobby ein Erfolg wird.
Bitte bedenken Sie das: Aquarien unter ca. 200 Liter für den Anfänger sehr schwer zu handhaben sind.

Wichtig bei der Planung ist die Tiefe des Aquariums. Mit tiefen Aquarien können sehr schöne räumliche Riffaufbauten verwirklicht werden. Die Riffaufbauten in weniger tiefen Aquarien wirken meist gedrungen und unnatürlich, auch der Schwimmraum für die Fische ist nicht gegeben. Ein Aquarium mit einer Tiefe von mind. 60cm wirkt optisch schöner als eins mit nur 40cm Tiefe. Bei der Planung sollten auch die laufenden Stromkosten nicht außer Acht gelassen werden. Rechnen Sie den Verbrauch aller Gerät auf’s Jahr aus. Der Stromverbrauch hat schon einige Aquarianer unangenehm überrascht. Zu den laufenden Stromkosten kommen weitere Kosten, wie Futter, Pflegeprodukte, Meersalz, Wasser und Tiere hinzu. So kann ein 200L Becken schon mal gute 300,00-500,00€ im Jahr kosten.

Becken werden meisten aus Glas hergestellt. Glas ist preiswert, stabil und hat gute optische Eigenschaften. Glasbecken halten zwischen 10 bis 15 Jahre. Danach ist die Gefahr groß, dass eine Scheibe sich herauslöst oder platzt da Glas mit den Jahren spröde wird. Eine gute Aquarienversicherung sollte auf jeden Fall abgeschlossen werden (die Hausratsversicherung deckt normalerweise keine Wasserschäden, die durch auslaufende Aquarien verursacht wurden! Auch sollte man bei der Wahl vom Glas aufpassen. Bei kleinen Aquarien spielt die Grünfärbung des Glases kaum eine Rolle. Bei großen Meerwasseraquarien mit Glasstärken ab 12mm macht sich die Eigenfärbung sehr wohl bemerkbar. Für große Becken wird deshalb die Frontscheibe aus „Weißglas“ hergestellt, das fast keine Färbung aufweist – Weißglas ist teurer als das Normalglas aber die Optik der Tiere ist den Mehrpreis wert.

Hier mal der Unterschied zwischennormalem Glas und Weißglas

glas

Beachten Sie beim Kauf auch das die Glaskanten ordentlich geschliffen sind, um die Verletzungsgefahr herabzusetzen, geschliffene Gläser sind außerdem stabiler. Achten Sie auf eine einwandfreie Verklebung der einzelnen Scheiben, es sollten keine Lufteinschlüsse in den Silikonnähten vorhanden sein. Achten Sie auch darauf das die Becken nicht aus Polen oder der Tschechei kommen, das dort verwendete Glas entspricht meist nicht dem Standard deutschen Glasindustrie und im Versicherungsfall kann das böse Erwachen kommen wenn die Versicherung nicht zahlt. Eben so ist Vorsicht bei Industrie gefertigten Gläsern geboten. Diese halten in der Regel keine 5Jahre, besitzen keine Sicherheitsnaht und werden meist aus „billigem“ Glas hergestellt. 

silikonnahtNaht mit Lufteinschlüssen

Bei der Wahl des Becken sollten Sie nicht an der Qualität und somit am Preis sparen! Ein Becken soll 10-15Jahre halten

Elektrik

Der elektrische Aufbau von Aquarienanlagen gleicht oft einem Gewirr von Kabeln. Ich kann nicht genügend darauf hinweisen, dass man genau hier gut überlegen sollte was man macht.
Um die Sicherheit für den Aquarianer zu maximieren, sollten alle Anschlüsse über einen Fehlerstromschalter (FI) geschützt werden. Oft habe ich schon gehört das die Elektrik ausgefallen ist weil ungeeignete Kabel und Steckdosen verwendet wurden oder meine Ratschläge zum Aufbau der Elektrik ignoriert wurden.
Ein Meerwasseraquarium kann sehr schnell „umkippen“, d.h. die Wasserqualität wird innerhalb weniger Stunden so schlecht, dass die Tiere sterben können. Nach wenigen Stunden ohne Strom ist oft schon oft der Tod einiger Tiere zu beklagen, deshalb sollen mind zwei Stromkreise für ein Meerwassraquarium zur Verfügung stehen die getrennte Sicherungen und getrennte Fehlerstromschalter (FI) haben. Die Fehlerstromschalter müssen eine niedrigere Ansprechschwelle besitzen, als die des Wohnungs-FIs und dort wo es möglich ist sollten gleich zwei Leitungen vom Stromverteiler -vor Wohnungs Fi- gezogen werden.
Ein Stromkreis sollte für die Förderpumpe/n, Abschäumer und Heizung, der andere für die Strömungspumpen und die Beleuchtung sein. Alle anderen Geräte können gleichmäßig über die beiden Stromkreise verteilt werden. Sinn dieser Schaltung ist, dass zumindest die Wasserbewegung und damit der Sauerstoffeintrag gewährleistet ist. Ein Aquarium kann z.B. einen Lichtausfall über mehrere Stunden gut verkraften, den Ausfall der Strömung aber meist nicht. Auch zu tiefe Temperaturen (unter 20°C) können die Tiere – insbesondere Steinkorallen – schnell zum Absterben bringen. Fällt ein Stromkreis aus, funktioniert zumindest die Heizung oder die indirekte Heizung durch die Beleuchtung.
Jeder Aquarianer sollte darauf achten, dass alle Kabel ordentlich und übersichtlich verlegt sind.

Abschäumer / Filter

Meine Empfehlung lautet: der Abschäumer ist das wichtigste Gerät welches im Filterbecken vorhandensein muß. Achten Sie beim Kauf auf folgende Punkte: der Abschäumer kann ruhig etwas stärker ausgelegt sein als für das Becken notwendig ist, so hat man Reserven nach oben. Er sollte leise, leicht zu warten und zu säubern sein. Die wichtigsten Punkte sind jedoch die produzierte Blasengröße (je kleiner die Blasen, desto höher die Effektivität) und die Kontaktzeit (je länger desto besser).

Mindestens genauso wichtig wie der Abschäumer sind lebende Steine die das eigentliche Filtersystem im Meerwasserbecken bilden und den Bakterien den notwendigen Siedlungsraum bieten. Topffilter wie sie im Süßwasserbereich angewendet werden haben im Meerwasser nichts zu suchen! Mit Abschäumer plus lebende Steinen ist es im Meerwasseraquarium leicht möglich, die Nitratkonzentration auf die Nachweisgrenze zu reduzieren.

Lebende Steine

Lebende Steine werden aus natürlichen Riffen entnommen und auf ihnen befindet sich eine Vielfalt von Bakterien, Algen, Einzeller und viel, viel Kleingetier. Nicht nur wegen der sichtbaren Tiere, die nach und nach aus den Steinen wachsen oder herauswandern sondern auch wegen der Kleinstlebewesen wie Bakterien, Schwämme und Einzeller, die wichtige Stoffumwandlungsprozesse (biologische Filterung: Nitrifikation, Denitrifikation, Abbau organischer Substanzen) vollziehen, werden lebende Steine gern im Aquarium eingebaut. Außerdem dienen sie zum Riffaufbau und geben dem Aquarium ein realistisches Aussehen. Lebende Steine sollte nach „Meer“ riechen; faulig stinkende Steine sollte auf keinen Fall gekauft werden. Beachten Sie, dass lebende Steine wie Fische oder Niedere Tiere importiert und per Luftfracht zu uns kommen. Preise von ca. 10-15 €/kg sind realistisch. Lebende Steine die im Internet für weit unter 10 €/kg angeboten werden, sind meist von minderer Qualität oder es handelt sich um totes Gestein welches wieder zum „Leben“ erweckt wurde. Es gibt auch auf versch Auktionsplattformen verlockende Angebote wo Leute ihre ach so guten LS verkaufen. Auch wenn der Preis noch so verführerisch ist, dieses LS ist das Porto nicht wert. Bei solchen Gestein muß vom Kauf abgeraten werden da Sie keine lange Freuden haben werden. Gute Lebende Steine sind das A und O für ein perfekt laufendes Aquarium!!! Bei Aquarien über 500 Liter muß der Riffaufbau nicht nur mit lebenden Steinen gestaltet werden, hier ist es möglich das sogenannte trockene Riffgestein (wesentlich Preiswerter) als Unterbau für das Riff zu verwenden. Man rechnet z.B. 500L Becken, Netto-Wasser-Volumen= 10% Lebende Steine mind.50kg. Damit man ein schönes Riff aufbauen kann nimmt man zum Unterbau noch 50kg trockenes Riffgestein dazu. Beachten sollte man das das Riff nicht zu hoch aufgebaut wird man will ja auch auf das Riffdach noch Korallen stellen und wachsen meist schneller als man denkt und nach einiger Zeit muß da Riff wieder umgebaut werden. So ein Umbau ist immer eine enorme Belastung für das Becken.

Strömung

Die Wasserströmung wird von vielen unterschätzt. Fast alle Tiere benötigen eine gute Strömung, um gedeihen zu können. Meine Empfehlung: pro Stunde sollte mit Strömungspumpen das Beckenvolumen mindestens 15-20 mal umgewälzt werden. Eine wechselnde Strömung mit einer Intervallsteuerung hat besondere Vorteile: „Dreckecken“ werden vermieden und die Tiere bewegen sich natürlicher in der Strömung.
Die Kreislaufströmung vom Aquarium in das Filterbecken und zurück sollte in der Stunde das Aquarienvolumen ca. 2-3 mal umwälzen. Bei der Auslegung der Förderpumpe muss auf die Förderhöhe geachtet werden da die Literleistung stark von der Förderhöhe abhängt.
Ganz wichtig: es dürfen nur meerwasserfeste Pumpen verwendet werden. Der Schaden durch eine korrodierende Pumpe kann erheblich sein. Achten sie beim Kauf der Pumpe auf den Stromverbrauch, es gibt heute Pumpen die bei 4000L/h Förderleistung nur einen Stromverbrauch von 28W haben. Die Pumpen laufen 24Stunden und das 365 Tage im Jahr.

Wasseraufbereitung

Das Leitungswasser in Deutschland ist sicher gut geeignet zum Kaffee kochen, für die Meerwasseraquaristik ist es so wie es aus dem Hahn kommt nicht zu gebrauchen. Stoffe wie Nitrat, Kieselsäure, Phosphat, Pestizidrückstände, Medikamentenreste sind im Leitungswasser vorhanden und können im Meerwasseraquarium das reinste Chaos verursachen. Die einfachste Aufbereitung von Leitungswasser ist über Umkehrosmosetechnik möglich. Dabei wird das Wasser durch Filter geleitet und anschließend durch eine Membran gedrückt die 90-95% der Schadstoffe aus dem Wasser entfernt. Weitere Filter können hinter einer Osmoseanlage installiert werden um weitere Stoffe wie Phosphat oder Silicat restlos zu entfernen. Das so gewonnene Wasser ist frei von Schadstoffen und wird im Meerwasseraquarium zum Nachfüllen oder Wasserwechsel benutzt.

Als gute Alternative hat sich in den letzten Jahren der Vollentsalzer durchgesetzt.

kati_ani_vollentsalzer

Ein Vollentsalzer besteht aus zwei getrennten Säulen die mit einem speziellen Anionen- bzw. Kationenharz gefüllt sind. Der Vollentsalzer hat gegenüber einer Osmoseanlage einige Vorteile. Es entsteht so gut wie kein Abwasser, das was vorn rein geht kommt hinten wieder raus. Auch der Wartungsaufwand und die Kosten sind wesentlich geringer als bei einer Osmoseanlage.

Beleuchtung

Mit der Beleuchtung sind die meisten Anfänger hoffnungslos überfordern. In der heutigen Zeit sind die guten alten HQI-Lampen reine Auslaufmodelle geworden. In der modernen Meerwasseraquaristik hat die LED-Beleuchtung mit all ihren Vor- aber auch Nachteilen Einzug gehalten. Einer der größten Vorteile ist eindeutig die Stromeinsparung, hat man als Faustregel früher mit HQI 1-1,5W pro Liter Wasser gerechnet sind es mit LED nur noch 0,5-0,8W pro Liter Wasser. Ein Nachteil der reinen LED-Beleuchtung ist, das von den Lampen kaum noch Wärme ans Wasser abgegeben wird und so meist eine Heizung für das Becken notwendig ist. Wenn Sie ihre Beleuchtung wählen überlegen Sie sich zu erst was für Tiere Sie pflegen wollen. Steinkorallen brauchen das meiste Licht, andere wie z.B. Weichkorallen, Scheiben- und Krustenanemonen benötigen etwas weniger Licht. Mehr Licht verhilft durch die erhöhte Photosyntheseaktivität der Korallen und Algen zu einem stabileren chemischen, physikalischen und biologischen Gleichgewicht.
Wie stark sollte eine LED-Lampe sein? Das hängt hauptsächlich von der Wassertiefe und den zu pflegenden Tieren ab.
  Die Beleuchtungszeit eines Beckens sollte 8-10 Stunden mit der Hauptbeleuchtung betragen. Welche Lichtfarbe gewählt wird, hängt vom Geschmack des Aquarianers ab. Die hellsten Lampen sind mit „10.000-Kelvin“gelblich und werden mit zunehmender Kelvinzahl „20.000-Kelvin“ bläulicher und sind weitaus lichtschwächer für das menschliche Auge. Bei der Wahl der Beleuchtung muß eins ganz klar beachtet werden, nicht jede Lampe die im Internet für wenig Geld angeboten wird ist für ein Meerwasserbecken geeignet. Wichtig sind die PAR-Werte und nicht die Lumen der Lampe! Ebenso sollte man sich überlegen ob man wirklich den neumodischen Schnickschnack wie Sonnenauf- oder Untergang braucht. Klar ist das eine schöne Spielerei, aber braucht man das wirklich?? Meine Meinung ganz klar, nein, man braucht es nicht und sollte das Geld für diese Spielerei lieber in schöne Tiere investieren, sei denn der Geldbeutel drückt.

Ein Nachtlicht oder Mondsimulator ist notwendig, wenn das Aquarium in einem absolut dunklen Raum steht. Fische – insbesondere neu eingesetzte – können bei vollkommender Dunkelheit panikartig aus dem Aquarium springen. Die Sprungfreude der Fische ist außerdem artspezifisch, z.B. Lippfische springen sehr gerne. Durch ein Mondlicht kann dies zwar nicht verhindert aber um einiges reduziert werden.

Meersalz und Zusätze

Weil ein Riffaquarium nie in einem natürlichen Gleichgewicht ist, müssen wir ständig nachhelfen, damit es in einem einigermaßen gutem Gleichgewicht bleibt. Es muss Wärme zu- oder abgeführt, Schadstoffe müssen entfernt und lebensnotwendige Stoffe zugefügt werden.
Der Ausgangspunkt für das Leben im Riffaquarium ist das künstliche Meerwasser. Am besten eignet sich ein Markensalz welches mit Osmosewasser angerührt wird. Es ist immer auf die richtige Dichte -bei 25°C Wassertemp. sollten es 33-35% Salzgehalt sein- vom angrührten Wasser zu achten.
Schadstoffe reichern sich im Laufe der Zeit im Aquariumwasser an, so dass es nötig ist, einen regelmäßigen Wasserwechsel zu machen. Ca. 10% pro Monat ist eine sinnvolle Größenordnung, kann aber bei starkem Fischbesatz auf 25% pro Monate erhöht werden. Wasserwechsel sollte häufig mit kleinen Mengen vorgenommen werden, z.B. jede Woche 2,5%.
Viele nützliche Stoffe werden schneller im Aquarium verbraucht oder abgebaut, als man diese mit Wasserwechsel nachgeben kann. Diese Stoffe müssen regelmäßig nachdosiert werden. Eine der sichersten und preiswertesten Methoden ist die Ballingmethode. Bei dieser werden die meisten Stoffe wie Calcium, Magnesium, Carbonate, und Spurenelemente zu dosiert. Die Ballingmethode ist für alle Aquariengrößen geeignet.
Eine weitere Methode ist der Kalkreaktor der mit Kohlendioxid ein kalkhaltiges Material auflöst und so Calcium und Hydrogencarbonat in das Aquarium bringt. Der Kalkreaktor sollte erst ab einer Beckengröße von 600L zum Einsatz kommen, darunter rechnet er sich nicht.

Welche Parameter muß ich überwachen?

Temperatur
Die Wassertemperatur sollte im Riffaquarium zwischen 24 und 26°C liegen. Temperaturen unter 20 und über 30°C können leicht zum Massensterben führen. Treffen Sie vorher geeignete Maßnahmen; ist die Wassertemperatur im Sommer auf 30°C angestiegen, sind Ventilatoren oder Kühlgeräte nicht selten ausverkauft! Die Heizung sollte immer mit doppelter Sicherheit betrieben werden: Regler plus Regelheizer. Der Regler (mechanisch oder elektronisch) sollte auf die gewünschte Temperatur (25°C) gestellt werden, der Regelheizer 2-3°C höher. Bei Ausfall des Reglers, schaltet die Regelheizung bei Erreichen der oberen Temperatur ab. In sehr kühlen Räumen sollte eine Zusatzheizung installiert werden, die bei Unterschreiten der gewünschten Temperatur z.B. bei 23°C anspringt. Beachten Sie, dass Meerwassertiere aus tropischen Riffe nur in einem geringen Temperaturbereich (ca. 10 K) überleben können.

Der pH-Wert
Dieser Wert gibt an, wie sauer oder wie alkalisch das Wasser ist. Im Meerwasser sollte der pH-Wert zwischen 8,0 und 8,2 liegen. Beachten Sie, dass der pH-Wert morgens niedriger als abends ist. Wenn Sie keine Dauermesseinrichtung haben, messen Sie den pH-Wert immer zur gleichen Uhrzeit, um vergleichbare Wert zu haben. Der KH-Wert (Karbonathärte):
Die Karbonathärte hat unmittelbar Einfluss auf den pH-Wert und damit auf das Befinden aller Tiere. Der KH-Wert sollte nie unter 7°dH fallen. Die Karbonathärte gehört für uns zu den wichtigsten Parametern; leider wird sie oft genug nicht regelmäßig überprüft!

Salzgehalt, Dichte, Leitfähigkeit
Der Salzgehalt gibt an, wie viel Salz im Wasser gelöst ist. Das Meerwasser sollte einen Salzgehalt von ca. 33 bis 35 0/00 haben. Sehr einfach kann dieser Wert mit einem Refraktometer ermittelt werden. Andere Messgrößen sind die Dichte (wird mit einer „Spindel“ oder Araeometer gemessen) oder die elektrische Leitfähigkeit (wird mit einem Leitfähigkeitsmessgerät gemessen).

Wenn der Salzgehalt im Aquarium zu hoch sein sollte, nehmen Sie Wassers aus dem Aquarium und ersetzen es gegen Osmosewasser. Ist der Salzgehalt im Aquarium zu niedrig, füllen Sie einfach Meerwasser nach. Auch bei der ständigen Verdunstung geht dem Meerwasser Wasser verloren, jedoch nicht die Salze. Füllen Sie jeden Tag das verdunstete Wasser unbedingt nur mit Osmosewasser nach.

Schadstoffe / Nährstoffe
Ammonium/Ammoniak wird ständig im Aquarium produziert. Es darf, wenn überhaupt, nur in der Einfahrphase des Aquarium messbar sein. Kann es öfter nachgewiesen werden, stimmen grundlegende Dinge im Filtersystem und Strömung nicht mehr. Das Aquarium sollte dringend von einem Fachmann saniert werden! Das Gleiche gilt für den Stoff Nitrit.
Ammoniak und Nitrit sind hoch giftig und können ein Aquarium in den biologischen Gau führen.
Nitrat und Phosphat sind im Riffaquarium Stoffwechselendprodukte, dass heißt, sie reichern sich langsam aber sicher an. Je mehr gefüttert wird und je schlechter die Technik ist oder weniger der regelmäßig Wasserwechsel durchgeführt wird, desto schneller steigen Nitrat und Phosphatwerte an. Im optimalen Riffaquarium sollte Nitrat im Bereich von 5-20 mg/l liegen, Phosphat bei 0,03 bis 0,2 mg/l. Steigen die Werte über den Bereich oder liegen sie permanent unter dem Bereich, müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.Silikat oder Kieselsäure wird ausschließlich durch das Frischwasser (Verdunstungswasser, frisches Meerwasser zum Wechsel) in das Aquarium gebracht. Zum Teil sind die Kieselsäurekonzentrationen so hoch, dass sogar der Einsatz einer Osmoseanlage allein nicht ausreicht. Zusätzlich muss hier ein Reinstfilter dahinter geschaltet werden. Ist der Nachschub mit Silikaten gestoppt, baut sich die Kieselsäurekonzentration im Aquarium von ganz allein ab und die unerwünschten Kieselalgen verschwinden.Weil das Riffaquarium in einem sehr empfindlichen künstlichen Gleichgewicht ist, müssen einige Werte regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden. Aber: jede Änderung sollte so behutsam wie möglich durchgeführt werden, damit unnötiger Stress für die Tiere vermieden wird. Stress – egal in welcher Form – kann Krankheiten auslösen.

Mess-, und Regeltechnik

Mess-, und Regeltechnik kann die Arbeit erheblich verringern, birgt aber auch Gefahren, weil viele aquaristische Geräte unzuverlässig arbeiten. So gilt eine Regel:
so viel wie möglich messen aber so wenig wie möglich regeln.

Geregelt werden sollte:die Temperatur, Beleuchtungsphase, Zugabe von Calcium, Carbonaten, Magnesium

Alle anderen Parameter sollten nicht geregelt werden. Sinnvoll ist nur eine Notabschaltung von bestimmten Geräten:
Der Kalkreaktor sollte bei Unterschreiten eines pH-Wertes von ca. 8,00 mit einer pH-Regelung abgeschaltet werden.
Die automatische Nachfüllanlage sollte mit Hilfe eines Leitfähigkeitreglers abgeschaltet werden, wenn der Salzgehalt unter 30 o/oo fällt.
Komplettsystem (Aquaristikcomputer) sind verglichen mit Einzellösungen wesentlich preiswerter. Aber bei einem Fehler funktioniert die vollständige Mess-, Regel- und Steuertechnik nicht mehr.Achten Sie auf die Bedienerfreundlichkeit. Testen Sie das Gerät vor dem Kauf und lassen Sie es sich genau vom Händler/Hersteller erklären. Erst, wenn Sie sich sicher sind, das Gerät bedienen zu können, ist ein Kauf sinnvoll. Der wichtigste Grundsatz kann leider nicht oft genug wiederholt werden:
Traue keinem Messgerät!
Wird ein schlechter Wert gemessen, überprüfe erst das Gerät. Ein Blick in das Aquarium ist sicherer: sind die Tiere in Ordnung, ist z.B. ein pH-Wert von 9,5 im Aquarium nicht realistisch. Zu oft haben Aquarianer den Geräten mehr getraut als Ihrem „salzigen Finger“ und haben durch die gewaltsame Änderung des Messwertes das empfindliche Aquariumgleichgewicht zerstört.
Ganz wichtig ist bei sämtlichen Mess- und Regelgeräten die Wartung und das Eichen der Elektroten -das wird von 80% der Aquarianer vergessen-. Nur mit richtig geeichten Geräten erhalten Sie genaue Messergebnisse.

Wassertests

Oft höre ich Diskussionen, bei denen sich Aquarianer um den günstigsten Messwert streiten. Den meisten Aquarianer ist nicht bewusst, dass die aquaristischen Messmethoden äußerst ungenau sind. Die meisten Tests sind nicht mehr als ein Pi-mal-Daumen-Abschätzen. Bei jeden Test sollte man sich bewusst sein, wo die Nachweisgrenze liegt. Wenn ein Test z.B. als niedrigste Stufe 0,3 mg/l Phosphat anzeigt, kann bei negativer Farbreaktion (Test färbt sich nicht) nicht davon ausgegangen werden, dass kein Phosphat vorhanden ist. Es kann nur die Aussage getroffen werden, dass weniger als 0,3 mg/l vorhanden sind – wenn der Test richtig gemacht wurde. Im Riffaquarium sind 0,3 mg/l Phosphat für einige Tiere aber bereits viel zu viel – die einzige Schlussfolgerung ist, dass der Test nicht für die Riff-Meerwasseraquaristik geeignet ist. Der Aquarianer muss sich einen Test mit einer niedrigeren Nachweisgrenze besorgen (z.B. 0,01 mg/l).
Um den menschlichen Faktor (Beurteilung der Farbsättigung) einigermaßen ausschließen zu können, gibt es seit einiger Zeit Photometer, die wesentlich genau messen, als die einfachen Teststreifen oder Tropfentests. Alle chemischen Tests sind sehr empfindlich gegenüber der Lagerung. Wird ein Test falsch oder zu lange gelagert, kann mit dem Testergebnis nichts mehr angefangen werden.

Zum Schluß

In vielen Büchern wird von einem Zeitplan gesprochen, nach dem sich der Aquarianer beim Einfahren des Aquariums richten soll. Es gibt verschiedene Wege, ein Aquarium zu starten, so dass eine zeitliche Einteilung meiner Meinung nach nicht sinnvoll ist. Nach meiner Erfahrungen kann die Einfahrzeit von 14Tagen bis zu mehreren Monaten (einige Aquarien kommen mangels Technik, Wissen oder Fürsorge nie aus der Einfahrphase heraus!) variieren.

Der erste Schritt ist der komplette Aufbau der Anlage und das Befüllen mit Süßwasser. Alles kann auf Dichtigkeit überprüft werden, viele Geräte wie Pumpen, Beleuchtung, Mess- und Regeltechnik auf Funktion.
Das Becken kann gereinigt -kein Reinigungsmittel verwenden!!!) und das Süßwasser sowie eventuell vorhandene Kleberreste sollten nun vollständig entfernt werden.Das Aquarium wird nun mit Osmosewasser zu 3/4 befüllt auf 25°C erwärmt und das Meersalz eingrührt und die Strömungspumpen in Betrieb genommen -sofern sie im Wasser sind!- . Nach drei Tagen kann der Riffaufbau mit den lebenden Steinen gemacht werden. Lassen Sie sich Zeit mit dem Aufbau; er sollte stabil und abwechslungsreich mit vielen Höhlen, Überhängen, Riffpfeilern und Sandflächen sein. Nach dem Aufbau und der endgültigen Befüllung kann der Bodengrund in einer dünnen Schicht (1-2cm) eingebracht werden. Hinter den lebenden Steinen sollte kein Bodengrund verwendet werden. Nehmen Sie alle anderen Gerät in Betrieb. Die Beleuchtung sollte erst die halbe geplante Zeit laufen. Innerhalb ca. 2 Wochen kann die endgültige Zeit eingestellt werden.Sobald Ammonium/Ammoniak und Nitrit nicht mehr nachweisbar sind, kann das erste Versuchstier eingesetzt werden. Meist sind Schmieralgen auf den Steinen gewachsen. Keine Angst, die verschwinden wieder. Als erster Versuch sollte ein robustes Tier der Gattung Sarcophyton (Lederkoralle) verwendet werden. Wenn dieses Tiere sich wohlfühlt und seine Polypen herausstreckt, können weitere robuste Tiere eingesetzt werden: Krustenanemonen, Scheibenanemonen, etc..Sobald die ersten Grünalgen erkennbar sind, sollten die ersten Algenfresser eingesetzt werden, wie z.B. Seeigel, Einsiedlerkrebse und pflanzenfressende Fische wie Seebader, Doktoren, Borstenmünder. Wird zu lange gewartet, wachsen die Grünalgen zu langen Fäden, die meist nicht mehr von Algenfressern vertilgt werden. – Es sollte in dieser Phase nur sehr wenig gefüttert werden. Die Schmieralgen verschwinden langsam wieder.Wenn Sie erkennen, dass die Pflanzenfresser die Grünalgen im Griff haben und auch die Schmieralgen größtenteils verschwunden sind, können weitere niedere Tiere und sogar die ersten Steinkorallen (z.B. robuste Acropora-Arten, großpolypige Korallen sind schlechte Indikatoren) eingesetzt werden. Sobald auch diese Korallen ihre Polypen herausstrecken und Wachstumsspitzen zeigen, können alle für die Riffaquaristik geeigneten Niederen Tiere eingesetzt werden.
Fühlen sich alle Niederen Tiere wohl und wachsen und auch die bereits eingesetzten Fische zeigen ein natürliches und gesundes Verhalten, können weitere Fische eingesetzt werden.

Nun wo Sie hier unten angekommen sind bin ich mir sicher das Sie nicht alles was Sie oben gelesen haben auch behalten haben, dafür ist es wichtig das Sie einen Händler haben der Ihre Fragen beantworten kann. Leider ist es bei den meisten „Fachhändlern“ nicht der Fall! Wenn Sie sich für eine Anlage von mir entscheiden ist Ihnen eine umfassende Beratung sicher, denn nichts ist schlimmer als ein Kunde der der mit seinem Meerwasseraquarium nicht zufrieden ist und das schöne Hobby nach kurzer Zeit wieder aufgibt.

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