Einfahren eines Meerwasseraquariums

Nachdem das Aquarium aufgebaut, die Technik installiert, das Salzwasser angerührt, der Steinaufbau und Bodengrund ins Aquarium eingebracht wurde, hat man noch Zeit den Steinaufbau zu vervollständigen. Danach beginnt die bei Riffaquarianern so genannte Einfahrphase oder Einlaufphase. Viele, vor allem Neueinsteiger werden sich im ersten Moment unter dem Begriff nicht all zu viel vorstellen können. In dieser Zeit spielt die ganze Biologie verrückt und findet nach und nach zu sich. Die meisten lebenden Steine kommen von weit her, und sind demensprechend zuerst einmal eine Belastung für das noch relativ frische, teils noch aggressive Salzwasser. Das hat den Hintergrund das die Bakterien in den Steinen, zuerst einmal zum Großteil abgestorben sind, oder dieses in den ersten Tagen im Aquarium tun. Aber nicht so schlimm, wobei die Qualität des verwendeten Gesteins sehr wichtig ist. Das Gestein sollte nicht schlecht riechen sonst würden wir dieses gar nicht erst verwenden. Gutes Gestein riecht nach Meer! Zum absterben der Bakterien kommt das absterben von Schwämmen, Algen und anderen Tieren die auf den Steinen mit gekommen sind. Achten Sie unbedingt darauf schon abgestorbene Tiere von den Steinen zu entfernen. Aber Achtung es gibt genügend an Wirbellosen die sich im Aquarium wieder fangen und überleben.

Ein Aquarianer gab schon vor Jahren einen guten Tip ein wenig Bodengrund, vielleicht sogar einen lebenden Steine von einem schon länger laufenden Aquarium einzubringen. Man glaube gar nicht wieviele Bakterien man damit ins das neue Becken einbringt. Das ganze nennt man „Becken Impfen“ und hat den Vorteil das sich damit meist den Beckenstart erleichtert. Wobei es nicht nur um die Bakterien geht, sondern auch um die Kleinstlebewesen die sich im Bodengrund befinden. Da man meist toten Sand benutzt werden hier nun die eingebrachten Kleinstiere das neue, noch saubere Biotiop in Besitz nehmen und sich langsam, aber stetig vermehren.

Nach einigen Tagen beginnt das Kieselalgenwachstum:

kieselalge

Nach dem Einbringen der Steine und des Bodengrundes und zum Start des Aquariums werden zumeist erst mal Kieselalgen wachsen. Das äussert sich durch braune unschöne Beläge auf dem Bodengrund. Keine Angst das ist normal. Sie gehören zu den Erstbesiedlern. Diese braunen Kieselalgen lassen mit der Zeit, durch die Aufnahme an Silicat nach und werden weniger. Wer Leitungswasser anstatt Reinstwasser genommen hat muss damit rechnen das es bei ihm etwas länger dauern kann bis dieses aufhört. Der Handel hält allerdings Silicatadsrober bereit, und man sollte bei einem starken Wachstum und hohen Silicatwerten nicht zögern hier etwas nachzuhelfen. Diese Phase kann schnell vorbei sein, oder aber sich sogar Wochenlange hinziehen.

Danach beginnt das Grünalgenwachstum:

fadenalgen

Mit oder kurz nach dem Wachstum der Kieselalgen beginnt  auch gleichzeitg das Wachstum der Grünalgen auf den Steinen die man sich eingesetzt hat. Zumeist sind das Fadenalgen, die ebenfalls nicht erwünscht sind und einer Plage gleich kommen. Hinzu kommt sicherlich auch das Wachstum von anderen Algensorten die man sich mit dem frischen LS ins Becken geholt hat. Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen wo der Aquarianer das erste mal Geduld zeigen muß.

Nun hat man erst mal Zeit einige weitere Dinge zu besorgen wie z.B. Wassertest`s

Fast alle im Handel erhältlichen Wassertest sind nicht zu 100% genau und haben Abweichungen von bis zu 10% nach oben oder unten. Trotz dem sind sie für unser Hobby ein wichtiger Bestandteil, ohne geht es nicht. Ein gut laufendens Aquarium muss man sicherlich nicht dauernd messen, aber  einmal in der Woche sollte man dieses schon tun. In den ersten 2-3Wochen der Einlaufphase ist das Messen der Wasserwerte noch nicht erforderlich. Ab der 4. Woche sollte man anfangen die wichtigsten Parameter zu messen:

Ammoniak: in der Einlaufphase oder wenn was sichtlich im Becken mit den Tiere nicht stimmt
Nitrit: in der Einlaufphase, oder wenn was sichtlich im Becken mit den Tiere nicht stimmt
Salzdichte:
in der Einlaufphase und danach sollte man mind. 1x in der Woche messen
Nitrat : sollte man mind. 1x die Wochen messen um ggf. reagieren zu können
Phosphat: sollte man mind. 1x die Wochen messen um ggf. reagieren zu können
Calcium :sollte man wöchentlich messen
Magnesium: hier reicht es einmal im Monat zu messen, dieser Wert ist oft recht lange stabil
PH-Wert: Anfangs wichtig, misst später kaum noch ein Aquarianer
Silicat: 
wird nur wichtig wenn man ein Problem mit Kieselalgen hat

Wenn kein Nitrit und Amonium mehr nachgewiesen wird, können die ersten Bewohner ins Aquarium einziehen.
Als Erstbesatz sind Einsiedler und Schnecken drann, also die echten Algenfressern. Diese sind nicht nur nützlich sondern schon fast als wichtige Vorbeugungsmassnahme gegen zukünftigen Algenbewuchs zu sehen.

.putzertrupp

In den nächsten Wochen lässt dann das aufgekommende Fadenalgenwachstum nach und stellt es in den meisten Fällen dann auch ein. Zu diesem Zeitpunkt wachsen dann besonders die Kalkrotalgen, die man sich auch mit den Steinen ins Aquarium geholt hat. Das ist dann das Zeichen das die sog. Einfahrphase dem Ende zugeht. Natürlich heisst das nicht das man nun alles sofort ins Becken setzen sollte was man sich wünscht, aber man kann auf jeden Fall über den Besatz der ersten Wirbellosen oder Fische nachdenken. Ich halte allerdings auch nicht so sonderlich viel von einem sofortigen Vollbesatz mit Fischen, weil das die sich gerade erst gefundene Biologie wieder aus dem Tritt bringen würde. Denn es dauert eine Weile bis sich die Bakterien im Aquarium auf die anfallenden Belastungen einstellt haben. Es gilt die Faustregel innerhalb von 3-4 Wochen sollten die meisten Fische, Garnelen und evtl Seeigel nach und nach eingesetzt werden. Dies hat auch den Vorteil das die Reviere der einzelnen Tiere noch nicht voll abgesteckt sind und Neuankömmlinge nicht so aggressiv bedroht werden und sich besser einleben können. Das Becken kann nun nach und nach in kleinen Schritten mit den schönsten Korallen gestaltet werden.

Aber der wohl wichtigste Satz den ich jeden Aquarianer mit auf den Weg geben möchte, ist der den ich im Jahr 1995 von meinem damaligen Händler gesagt bekam:
„Lass die Finger raus und das Becken in Ruh“!
Die Beherzigung dieses Ratschlages hat bis heute geholfen.

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Quelle 1×1 der Meerwasseraquaristik auf Korallenriff.de.

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