Cyanobakterien

Wer kennt es nicht? Plötzlich auftauchende rötliche oder grüne Beläge im Becken. Dabei handelt es sich aber nicht, wie viele meinen, um Algen, sondern um Bakterien.

Die Cyanos

Die Cyanobakterien zeichnen sich vor allen anderen Bakterien durch ihre Fähigkeit zur oxygenen Photosynthese aus. Was im Klartext heißt Cyanos brauchen Licht zum leben.
Die Photosynthese der Cyanobakterien findet an bzw. in deren Thylakoidmembranen statt und läuft dort ähnlich wie in den Thylakoiden der Chloroplasten der eukaryotischen Algen ab. Die Cyanobakterien nutzen für ihre Photosynthese nicht nur den Teil des Lichtspektrums, den auch die Algen, Korallen und andere niedere Tiere verwenden, sondern sie haben neben Chlorophyll einen zusätzlichen Antennenkomplex in Form von Phycobilisomen, in denen Phycobiline, nämlich Phycocyanin (blau) oder Phycoerythrin (rot), enthalten sind. Phycoerythrin verleiht den Cyanobakterien ihre rote, bzw. Phycocyanin ihre blaue Färbung. Da das Verhältnis der einzelnen Pigmente zueinander stark schwanken kann, erscheinen Cyanobakterien mitunter auch grün, braun oder sogar schwarz. Phycobiline ermöglichen die Nutzung eines größeren Bereichs des Lichtspektrums im Wellenlängenbereich von ca. 500 bis 600 nm. Die Effizienz der Lichtverwertung ist bei Phycoerythrin sogar größer als beim Chlorophyll. Cyanobakterien können auf diese Weise ausgesprochene Schwachlichtbereiche erfolgreich besiedeln, sie werden in diesen Bereichen aber meist nur sehr schwach auftreten.
Einige Cyanobakterien können auch eine anoxygene Photosynthese mit Schwefelwasserstoff als Reduktionsmittel betreiben, sie bilden dabei also keinen Sauerstoff.
Früher wurden Cyanobakterien zu den Phycophyta (Algen) gerechnet und als Klasse Cyanophyceae (Blaualgen) geführt. Cyanobakterien besitzen im Gegensatz zu Algen keinen echten Zellkern und sind somit als Prokaryoten nicht mit den Algen verwandt, sondern zählen zu den Bakterien. Cyanobakterien besiedeln vermutlich seit mehr als 3,5 Mrd. Jahren die Erde und zählen damit zu den ältesten Lebensformen überhaupt.

Es sind etwa 2000 Formen als „Arten“ von Cyanobakterien benannt, die in fünf bis sieben Ordnungen eingeteilt werden.

links: die grüne Variante rechts: die rote am meisten verbreitete Variante

grüne_cyanos rote_cyanos

Oftmals wird die Meinung vertreten das Cyanobakterien nach dem Wechsel der Lichtquelle, Bodengrund, größeren Veränderungen im Becken oder einfach so kommen. Das stimmt so nicht ganz! Das Auftreten von Cyanos ist ein Zeichen das etwas mit der Biologie im Becken nicht stimmt. Die Cyanos kommen nicht plötzlich von heut auf morgen, es beginnt ganz langsam, meist unbemerkt vom Aquarianer irgendwo im Becken. Es gibt kleine Anzeichen wie Kieselalgen, Goldalgen oder auch Dinoflagellaten welche die Vorboten der Cyanos sind. Ich habe bis jetzt noch kein, mit Cyanos befallenes Becken gesehen, wo nicht wenigstens einer dieser drei Begleiter dabei war. Aber das eigentliche Problem ist, das viele Aquarianer das Problem nicht als solches erkennen und den Dingen ihren Lauf lassen in dem sie nicht frühzeitig reagieren, was dann zu solchen Plagen wie oben auf den Bildern zu sehen werden kann.
Ich vertrete die Meinung das Cyanos ein ständiger Begleiter in unseren Becken sind, diese Bakterien sind seit mehr als 3,5 Mrd. Jahren auf dieser Erde und warum sollen sie nicht in unseren Becken vorhanden sein. Wir holen sie uns mit Steinen, Korallen und Fischen in unsere Becken.
Wodurch vermehren sich die Cyanos aber so stark das sie zur Plage werden?
Hierzu gibt es verschiedene Meinungen. Ich vertrete den Standpunkt das Cyanos immer dann auftreten wenn große Veränderungen wie z.B. der Austausch des gesamten Bodengrundes oder aller Leuchtmittel auf einmal erfolgt. Ein weiterer sehr interessanter und meiner Meinung nach der wichtigste Punkt ist das fehlen von den -ich nenne sie gern- „guten“ Bakterien. Cyanos siedeln sich vor allem da an wo die guten Bakterien fehlen oder nur sehr gering vorhanden sind.
Untersuchungen an einigen Kundenbecken haben mich auf diesen Punkt aufmerksam gemacht. Bei der Untersuchung von Bodengrund und Gestein konnte ich meist das fehlen der guten Bakterien feststellen. Diese untersuchten Stellen wiesen eine erhebliche Besiedlung mit verschiedenen Cyanobakterien auf, die Besiedlung mit den guten Bakterien war meist so gering das sie keine Chance gegen die Cyanos hatten. Sie werden von den Cyanos regelrecht überwachsen und sämtliche Nahrung wird ihnen entzogen was ein absterben der guten Bakterien zur Folge hat. Für jeden Aquarianer sollte nun der wichtigste Punkt bei der Pflege seines Beckens sein, genau diese guten Bakterien zu Vermehren und am Leben zu erhalten. Aber wie?? Alle im Handel erhältlichen Bakterien werden in Labors gezüchtet, ihre Lebenserwartung im Becken ist meist nur wenige Tage. In der Zeit müssen sich die Bakterien aber stark Vermehren um nicht komplett auszusterben. Dies erreicht man u.a. durch Zugabe immer neuer frischer Bakterien und durch gezieltes Füttern der Bakterien. Lässt man eins von beiden Weg ist es eine Frage der Zeit bis nicht mehr ausreichend gute Bakterien vorhanden sind und die Cyanos die Überhand bekommen.
Überall wo Cyanos wachsen fehlen die guten Bakterien!!!

Beleuchtung
Wie oben schon erwähnt gibt es einen weiteren Punkt der Cyanos wachsen lässt, große Veränderungen am System. Viele Aquarianer machen den Fehler das sie die Leuchtmittel alle auf einmal austauschen und sich dann Wundern das Cyanos wachsen. Ich konnte genau dies bei einigen meiner Kunden sehen, alles auf einmal ausgetauscht obwohl der Onkel im Laden sagte: Junge tausch immer nur eine Lampe aus. Was passiert da??? Stell Dir vor du sitzt ein Jahr lang in einem dunklen Keller und plötzlich hängt Dir einer eine Lampe vors Gesicht. Das wird dir gut bekommen, entlich Licht und Dein Befinden wird besser. Die guten Bakterien brauchen das Licht nicht unbedingt aber die Cyanos lieben es und bekommen plötzlich jede Menge davon. Die Cyanos werden nun vom mehr an Licht richtig zum wachsen und zur Vermehrung angeregt und verdrängen dadurch die guten Bakterien weil diese nicht in der Lage sind sich so schnell zu Vermehren um den Cyanos Einhalt bieten zu können. Wir lernen daraus: Wechsel immer nur ein Leuchtmittel pro Woche. Klar einige haben nur eine Lampe über dem Becken. Da sollte man vor dem Leuchtmittelwechsel seine guten Bakterien auf ein Maximum anwachsen lassen. Wie?? Tägliche Zugabe von frischen Bakterien und Bakterienfutter bis sich an den Scheiben leichte graue Beläge bilden. Dann sind so viele gute Bakterien im Becken das Cyanos beim wechseln der Leuchtmittel keine große Chance haben sich schlagartig zu Vermehren. Man kann aber nicht ganz ausschliesen das dadurch garkeine Cyanos wachsen, irgendwo im Becken gibt es immer eine Stelle wo es vorkommen kann.

Bodengrund
Ein weiterer Punkt den ich beobachten konnte ist, das der gesammte Bodengrund mit einem mal ausgetauscht wurde. Damit schaffen wir für die Cyanos einen idealen neuen Besiedlungsraum. Nach dem kompletten Austausch vom Bodengrund und trotz sofortiger Zugabe von frischen guten Bakterien und Bakterienfutter, ist es den Bakterien nicht möglich innerhalb von kurzer Zeit den gesammten Bodengrund neu zu besiedeln. Hier sind die Cyanos durch ihr enormes Vermehrungspotential schneller. Wenn man schon den Bodengrund austauscht dann immer nur ein 1/4 vom ganzen tauschen. Diese kleineren Stellen können von den guten Bakterien viel schneller Besiedelt werden.

Haben sich Cyanos erst einmal im Becken etabliert, ist es sehr schwer diese wieder los zu bekommen, meist treten sie dann auch noch in Verbindung mit Goldalgen, Kieselalgen oder Dinoflagellaten auf.

Was allso tun wenn es einen erwischt hat??

Als aller erstes ist eine genaue Idendifizierung der Beläge unter einem Mikroskop notwendig. Handelt es sich auch nur zu 20% um Cyanos und die anderen 80% sind Algen geht man am besten wie folgt vor.
erster Tag
Man besorgt sich folgende Dinge; frische Bakterien, Bakterienfutter, gutes Meersalz, frisches Osmosewasser. Dann braucht man noch Riff-Snow von von MT-Aquaristik. Diese beiden Produkte funktionieren bei dieser Methode!!! Alle anderen von mir getesteten hatten keine Wirkung gezeigt!!
Mit einem Schlauch werden die Beläge so gut wie möglich abgesaugt. Dabei kann man ohne Bedenken 25% Wasser vom Beckeninhalt absaugen. Anschließen wird das Becken wieder mit frischem Salzwasser aufgefüllt.
Sämtliches Filtermaterial Watte, Kohle etc. werden ersetzt!!! Adsorber können drinn bleiben. Falls Filterschwämme verwendet werden kommen diese ganz raus.
Man gibt nun die doppelte Dosis an frischen Bakterien und eine doppelte Dosis Bakterienfutter sowie die fünffache Menge von Riff Snow ins Becken.
Licht soweit wie möglich ausschalten, es muß nicht ganz dunkel sein.
Sämtliche Wasserwerte überprüfen und auf den optimalen Wert einstellen!!!!

zweiter. Tag

Es wird nochmals der Belag im Becken abgesaugt und anschließend wieder mit frischem Salzwasser aufgefüllt. Auch wieder 25%WW
Filterwatte tauschen, nicht auswaschen und wieder verwenden!!! Kohle kann bleiben und der Schwamm falls vorhanden kommt raus.
Bakterien , Bakterienfutter und Snow wie oben beschr. zugeben.
Licht soweit wie möglich ausschalten, es muß nicht ganz dunkel sein.

ab dem dritten Tag

Und jetzt kommt der Punkt wo man seine Disziplin testen kann.
Es wird nun jeden Tag:

frische Bakterien halbe angegebene Dosis zugegeben (wenn steht zweimal/Woche 6tropfen/100L dann bitte 3Tropfen/100L täglich)
Bakterienfutter volle angegebene Dosis zugegeben (wenn steht 2mal/Woche 1Tropfen/100L dann bitte täglich 1Tropfen/100L)
Snow volle angegebene Dosis täglich zugegeben
Filterwatte gewechselt
das ganze geht so lange bis die Cyanos weg sind
Nach einer Woche wird ein 10%iger WW mit gleichzeitigem absaugen der Beläge durchgeführt. Wasserwerte werden erneut überprüft und ggf. angeglichen.
In den folgenden Wochen wird ein wöchentlicher 5%iger WW mit gleichzeitigen absaugen der vorhandenen Beläge durchgeführt, das ganze so lange bis die Cyanos verschwunden sind. Und die Wasserwerte nicht vergessen.

Nach ein bis zwei Wochen wird sich an den Scheiben ein weiß/grauer Belag bilden der mit der Hand ganz leicht weg gewischt werden kann, das ist ein Zeichen das im Becken bereits genügend gute Bakterien vorhanden sind und die Dosierung mit frischen Bakterien auf die normale Dosis zurück genommen werden sollte. Ab diesen Zeitpunkt wird das Bakterienfutter über eine Woche auf die normale Dosis zurück gefahren. Snow wird für mind. noch eine Woche mit doppelter Dosis dosiert und kann danach auch langsam auf Normaldosis zurück gefahren werden. Die grauen Beläge sollten danach an den Scheiben etwas nachlassen, ist dies nicht der Fall setzen Sie mit der Zugabe von frischen Bakterien ein- oder zweimal aus oder reduzieren Sie die Zugabemenge an Bakterienfutter.

Nun ist es auch an der Zeit sich um die anderen lästigen Dinge wie Kiesel oder Goldalgen, die meist als Begleiterscheinung von Cyanos auftreten, zu kümmern. Hier gibt es nur ein mir bekanntes Mittel was auch zuverlässig hilft: aqua biotica phycoEx von Mrutzek. Anwenden genau wie es beschrieben ist und nach 2-3Wochen ist eine Wirckung zu sehen.

Wenn Sie nun die Cyanos besiegt haben denken Sie bitte immer daran: Cyanos wachsen immer dort wo gute Bakterien fehlen.
Diese Methode die Cyanos los zu werden dauert seine Zeit. Es ist Geduld und Disziplin genau so wie Sauberkeit im Becken gefragt. Nach meiner Erfahrung dauert so eine Anwendung zwischen 4-8 Wochen, also Geduld.
Können die Cyanos wieder kommen??? Klar können sie. Man kann aber Vorbeugen in dem man regelmäßig Bakterien und Bakterienfutter zugibt. Ein wöchentl. Wasserwechel von 5% des Beckeninhalts ist auch sehr hilfreich und dabei werden auch sämtliche Mineralien und Elemente aufgefrischt bzw. ergänzt. Mind. 2 mal pro Woche sollte Corall Snow oder Riff Snow eingesetzt werden die div. organische Verbindungen und Abbauprodukte aus dem Becken zu holen. Filterwatte sollte spätestens nach 3Tagen getauscht werden. Wasserwerte sollten regelmäßig überprüft und korrigiert werden.

Und mien letzter Tipp
Ein alter Haase der Meerwasseraquaristik sagte mal zu mir: Lass die Finger aus dem Becken und wenns garnicht anders geht -dann wasch sie dir nicht mit Seife oder ähnlichen Zeug- sondern spüle sie nur richtig unterm Wasser ab.

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